Anschrift

Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main
Archivzentrum
Freimannplatz 1
60325 Frankfurt am Main

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Kontakt

Oliver Kleppel
Tel.: 069/ 798-39254
o.kleppel[at]ub.uni-frankfurt.de

archivzentrum[at]ub.uni-frankfurt.de

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Öffnungszeiten

Montag bis Freitag 9.00–16.30 Uhr

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Nachlässe an der Universitätsbibliothek

In ihrer langen Geschichte seit 1484 sammelte die heutige Universitätsbibliothek nicht nur Bücher und Zeitschriften, sondern auch Nachlässe von bekannten und berühmten Persönlichkeiten. Sie stammen aus allen Gebieten des künstlerischen, wissenschaftlichen und öffentlichen Lebens in und außerhalb Frankfurts: von Literat*innen, Künstler*innen, Ratsherren, Komponist*innen und Gelehrten aller geistes- und naturwissenschaftlichen Disziplinen.

Gesamtzahl der Objekte: circa 550 (circa 3 Millionen Seiten) 

Objektgattungen: Akten, Briefe, Werkmanuskripte, Manuskripte, Typoskripte, Privatbibliotheken, Fotos, Tonträger, Zeitungen, digitale Objekte, museale Gegenstände, AV-Materialien

Datierung der Objekte: Spätmittelalter bis heute

Von Anfang an stützte sich die Frankfurter Stadtbibliothek auf Nachlasserwerbungen. So stammt die früheste Erwähnung der Stadtbibliothek aus dem Testament vom 28. April 1484 des Frankfurter Patriziers Ludwig von Marpurg zum Paradies. Darin vermachte er dem Rat der Stadt seine umfangreiche Büchersammlung, damit die Stadt Frankfurt eine – Zitat – „Liberey im Rat der Stadt aufrichten“ kann. Oder ein anderes bekanntes Beispiel: Im Jahre 1763 stiftete der berühmte Frankfurter Stadtphysikus Johann Christian Senckenberg zu Lebzeiten seine gesamte naturwissenschaftliche Bibliothek mit bedeutenden Publikationen aus den Bereichen Medizin, Pharmazie und Biologie, um die Ausbildung von Frankfurter Ärzten zu unterstützen. Auf dem damaligen Stiftungsgelände am Eschenheimer Tor entstand darüber die Senckenbergische Bibliothek, die gemäß dem Stifterwillen nicht an die Stadt fallen dürfe und deshalb bis 2004 eine eigenständige Bibliothek geblieben ist.

Der größte Teil der heutigen Nachlässe kam aber erst im 19. Jahrhundert in die Frankfurter Stadtbibliothek, das auch generell mit den Epochen Romantik und Positivismus die Hochzeit des Nachlasssammelns in Deutschland war. Die Nachlässe, die nach 1803 im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses und der damit verbundenen Auflösung der kirchlichen Besitzungen in die Stadtbibliothek gelangten, bezogen sich allesamt auf Persönlichkeiten aus dem künstlerischen, wissenschaftlichen und öffentlichen Leben Frankfurts, also Schriftsteller, Künstler, Ratsherren, Komponisten und Gelehrte aus allen geistes- und naturwissenschaftlichen Disziplinen. All das ist bis heute immer noch prägend in der Universitätsbibliothek.

Ein besonderer Schwerpunkt in der Universitätsbibliothek bilden die Nachlässe aus den philosophischen und soziologischen Disziplinen - ausgehend vom 1921 gegründeten Schopenhauer-Archiv in der ehemaligen Stadtbibliothek und den seit dem Beginn der 1970er Jahren erworbenen Nachlässe der Frankfurter Schule. Im Einzelnen waren das der Nachlass von Max Horkheimer und Friedrich Pollock – beide als Schenkung erworben im Jahr 1974 –, der Nachlass von Alexander Mitscherlich – als Schenkung erworben 1982 –, der Nachlass von Herbert Marcuse – gekauft 1984 –, der Nachlass von Bruno Liebrucks – als Schenkung erworben 1989 – sowie der Nachlass von Leo Löwenthal – gekauft 1991. Ab 2008 änderte sich dann auch die bisherige passive Erwerbungspolitik, bei der man auf Erwerbungen und Zuwächse eher wartete, hin zu einer mehr aktiven und bewussten Einwerbung auch von Vorlässen noch lebender Personen. Seit 2008 wurden vierzehn Vor- und Nachlässe aus dem Umfeld der 2. und 3. Generation der Frankfurter Schule eingeworben, nämlich in zeitlicher Reihenfolge die drei im Jahr 2010 erworbenen Vorlässe von Oskar Negt, Ludwig von Friedeburg, Jürgen Ritsert, die drei Vorlässe Jürgen Habermas, Alfred Schmidt und Ulrich Oevermann im Jahr 2011, den Vorlass von Karl-Otto Apel dann im Jahr 2013, die beiden Nachlässe Hermann Schweppenhäuser und Helmut Dubiel im Jahr 2016, die Vorlässe von Axel Honneth 2017, Claus Offe 2018 und Albrecht Wellmer 2019 sowie schließlich als bislang letzten übernommenen Nachlass des Archivzentrums der im Jahr 2021 als Schenkung von Frau Fein übergegebene Nachlass von Karl-Heinz Haag, der das Sammlungsprofil Frankfurter Schule – Kritische Theorie bislang komplettiert.

Erfassung: Der Erschließungsstand ist unterschiedlich. Die Archivbestände werden in ARCINSYS (Archivinformationssystem Hessen) verzeichnet. Privatbibliotheken sind zum großen Teil im Online-Katalog der Universitätsbibliothek nachgewiesen. Teilweise sind ältere Karteikartenverzeichnungen vorhanden.

 

Literatur

Klaus-Dieter Lehmann (Hg.): Bibliotheca Publica Francofurtensis. 500 Jahre Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Textband + Tafelband Frankfurt a. M. 1984 [1985].

Klaus-Dieter Lehmann (Hg.): Bibliotheca Publica Francofurtensis. 500 Jahre Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Register zum Textband und zum Tafelband, bearb. von Hildegard Hüttermann, Frankfurt a. M. 1986.

Arthur Hübscher: Schopenhauer-Bibliographie, Stuttgart-Bad Cannstatt 1981.
[Die Bibliographie wird jährlich fortgeführt im: Schopenhauer Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft e.V. ]

Alfred Estermann: Die Autographen des Schopenhauerarchivs der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Stuttgart-Bad Cannstatt 1988.

Auswahl erschienener Artikel über die Sammlung:

Bedeutende Sammlung zu Jürgen Habermas erworben: Wertvoller Zuwachs für die Goethe- Universität, in: UniReport 1/18, S.19.

Stephan Lenartz: Archivzentrum archiviert elektronische Vorlesungs verzeichnisse, in: UniReport 1/20, S.18.

Beispielobjekte

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Über die Plattform


Entstehungskontext der Plattform

Die Plattform wurde von der Studiengruppe "sammeln, ordnen, darstellen" am Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften entwickelt und im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten der Goethe-Universität im Jahr 2014 eröffnet. Ihr Aufbau war eng mit der Ausstellung „Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität“ verknüpft, die von Oktober 2014 bis Februar 2015 im Museum Giersch der Goethe-Universität zu sehen war. Viele der Objekterzählungen waren auch in der Ausstellung zu lesen und sind im Katalog abgedruckt worden; viele Ausstellungstexte haben wiederum den Weg in die Plattform gefunden. Ebenso wurden die auf der Plattform gezeigten Filme sowie viele der Fotografien eigens für die Ausstellung produziert.

Leitung der Studiengruppe und Herausgabe der Plattform

Dr. Judith Blume (heute: Koordinatorin der Sammlungen an der Goethe-Universität)
Dr. Vera Hierholzer (bis 2018; heute: Direktorin des Museums für Industriekultur in Osnabrück)
Dr. Lisa Regazzoni (bis 2020; heute: Professur für Theorie der Geschichte an der Universität Bielefeld)

Betreuung der Plattform

Sammlungskoordination der Goethe-Universität
Universitätsbibliothek Johann-Christian-Senckenberg
sammlungen@uni-frankfurt.de

Programmierung

Sven Winnefeld
www.winkin-verlag.de

Design

FGS Kommunikation – Steffen Grzybek, Martin Schulz GbR
www.fgs-kommunikation.de

Developed By

Jatinkumar Nakrani
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Team der Jubiläumsausstellung "Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität" von 2014

Dr. Charlotte Trümpler (Projektleitung und Kuratorin; Autorenkürzel: CT)
Dr. Judith Blume (Kuratorin, Autorenkürzel: JB)
Dr. Vera Hierholzer (Kuratorin, Autorenkürzel: VH)
Dr. Lisa Regazzoni (wissenschaftliche Mitarbeit, Autorenkürzel: LR)

Fotografien

Die Fotografien wurden von den einzelnen Sammlungen oder Autoren zur Verfügung gestellt sowie von Tom Stern (Sammlungsräume und Objekte), Uwe Dettmar (Objekte) und Jürgen Lechner (Objekte) angefertigt. Die Nachweise finden Sie bei den entsprechenden Abbildungen. Sollte trotz sorgfältiger Recherche ein Rechteinhaber oder Fotograf nicht genannt sein, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis.

Filmproduktion

Sophie Edschmidt (Regie und Schnitt)
Philipp Kehm (Kamera)
Philipp Gebbe (Musik)
Dr. Charlotte Trümpler (Idee und Beratung)

Finanzierung